Wirtschaftsingenieur: Überzeugend vielseitig

Wirtschaftsingenieure, Wirtschaftsinformatiker und Co. bringen das fachübergreifende Denken von Hause aus mit. Das macht sie zu begehrten Kandidaten für die Besetzung von Managementposten.

Wirtschaftsingenieure - überzeugend vielseitig

Interdisziplinäre Studiengänge vermitteln in sechs bis sieben Semestern - je nach Hochschule und Studiengang - den Stoff zweier Fachgebiete. Manch angehender Wirtschaftsingenieur oder Wirtschaftsinformatiker mag sich da fragen, ob es überhaupt möglich ist, die komplexe Materie im Rahmen eines Bachelorstudiums zu vermitteln. Die Sorge scheint angesichts der starken Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt unbegründet: Zwar bringen Absolventen mit kombinierten Studienabschlüssen nicht die fachliche Vertiefung mit, die sie im Rahmen eines Spezialistenstudiums erwerben würden. Für viele Positionen werden aber gezielt Generalisten mit einem grundlegenden Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge und technologische Entwicklungen gesucht. So ist auch ein forschungsorientiertes Chemieunternehmen wie BASF offen für Bachelors mit einem interdisziplinären Abschluss, wie Dr. Norbert Meyer, Leiter der Rekrutierung von Hochschulabsolventen bei BASF, bestätigt: "Natürlich gibt es gerade in der Forschung Positionen, für die eine Promotion unabdingbar ist. Für viele andere Positionen entlang der Wertschöpfungskette finden die praxisorientierten Bachelorabsolventen aber, entsprechend der jeweiligen Fachrichtung, gute Einstiegsmöglichkeiten bei der BASF vor."

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Studienziel Berufsbefähigung

Das zweistufige Studiensystem mit dem Bachelor als berufsbefähigendem Abschluss kommt den Studierenden kombinierter Studiengänge entgegen. Für ihre Vermittlerrolle zwischen Technologie und Management benötigen Wirtschaftsingenieure oder Wirtschaftsinformatiker eher ein breit gefächertes Basiswissen als Spezialkenntnisse in einer einzelnen Disziplin. Das macht sie für viele Branchen interessant: Wirtschaftsingenieure und Co. arbeiten in der Automobilindustrie, aber auch bei Elektrotechnik-, Maschinenbau- und Logistikunternehmen sowie Banken, Versicherungen und Behörden. Zudem können sie aus einer Vielzahl von Einstiegspositionen auswählen, so auch beim weltweit größten Anbieter ziviler Wartung und Instandhaltung von Flugzeugen, der Lufthansa Technik AG. Hans-Hellmuth Retzlaff-Schröder, der Verantwortliche für Hochschulkontakte und akademische Nachwuchsprogramme, nennt Beispiele: "Grundsätzlich haben wir an vielen Stellen im Unternehmen Absolventenbedarf, insbesondere an Wirtschaftsingenieuren. Klassische Arbeitsbereiche sind etwa Einkauf, Logistik, Vertrieb, Marketing und Kundenbetreuung sowie Prozessmanagement."

Heiß begehrt sind die Bachelors mit kombinierten Abschlüssen außerdem im Consulting, wo sie ihr fachübergreifendes Denken voll einsetzen können. Judith Kederer, die bei der Technologieberatung Accenture das Recruiting für die Länder Deutschland, Österreich und Schweiz leitet, erklärt, warum das so ist: "Berater arbeiten oft an den Schnittstellen eines Unternehmens und müssen mit Technikern ebenso reden können wie mit Finanzleuten. Daher haben Absolventen einen kleinen Startvorteil, wenn sie neben betriebswirtschaftlichen Kenntnissen zusätzlich über technisches Wissen verfügen."