Europäischer Lebenslauf

Was in Deutschland gängig ist, muss in Italien nicht auf Gefallen stoßen. Der europäische Lebenslauf will die unterschiedlichen Bewerbungsformate auf einen Nenner bringen.

Europass-Lebenslauf
 
Der Europass-Lebenslauf soll für einen europaweit vergleichbaren Standard für Bewerbungen sorgen. Trotzdem werden landesübliche Formalitäten für Arbeitssuchende wichtig bleiben.

"Wir suchen doch keine Models!" Hans-Christoph Kürn, Leiter des Recruitung Support Centers bei Siemens in München, braucht keine Fotos für seine Personalentscheidung. Nur Fakten. Damit liegt Siemens ganz im Trend des seit Februar 2002 von der Europäischen Union (EU) empfohlenen europäischen Lebenslaufes, der in 13 verschiedenen Sprachen vorliegt. Wichtig sei doch vor allem, was der Bewerber könne, wisse und bisher gemacht habe, dachten sich wohl die Mitglieder der für Bildung und Kultur zuständigen EU-Kommission. Und haben ein für E-Mail- und Postbewerbungen national und international einsetzbares Musterdokument geschaffen, das Kompetenzen, Abschlüsse und Qualifikationen leichter vergleichbar machen soll. Im Rahmen der Europass-Einführung wurde der europäische Lebenslauf zum Europass-Lebenslauf. Der Europass besteht aus einer Reihe von Dokumenten, mit dem Bewerber ihre Qualifikationen in ganz Europa leichter ausweisen und präsentieren können.

Mehr als formale Abfragen

Das Formular fragt nicht nur nach – oft nichtssagenden – Berufsbezeichnungen, sondern auch nach "Tätigkeiten und Zuständigkeiten". In einem anderen Bereich geht es um "Berufserfahrung", was qualifizierte Nebenjobs und Praktika mit einschließt.

Das Standardformular soll Bewerbungen leichter vergleichbar machen, scheitert jedoch oft an Punkten wie dem Bewerbungsfoto. Schon hier muss sich der Bewerber mit den landestypischen Vorgaben beschäftigen, um zu wissen, ob ein Bild auf dem Lebenslauf erwünscht ist oder nicht. Außerdem wird zur Einstufung des Schulabschlusses eine Angabe nach der Standardklassifikation für das Bildungswesen (ISCED) verlangt.

 

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Es ist zweifelhaft, ob sich alle Arbeitgeber mit einer solchen Klassifikation auseinandersetzen. Neben den Studienabschlüssen sind auch Angaben zu den im Studium erworbenen beruflichen Fähigkeiten gewünscht. Eine eigene Rubrik widmet sich den "persönlichen Fähigkeiten und Kompetenzen", die nicht unbedingt Gegenstand von formalen Zeugnissen und Diplomen sein müssen. Sprachkenntnisse soll der Bewerber nicht lediglich auflisten, sondern Lesen, Schreiben und Sprechen jeweils einzeln benoten – mit "ausgezeichnet", "gut" oder "Grundkenntnisse".

Landesübliche Formalitäten bleiben wichtig

Die Ansätze sind gut, leider hat sich der Europass-Lebenslauf noch nicht als Standard durchgesetzt. Er wird sowohl bei öffentlichen Institutionen als auch bei privaten Anbietern nur selten berücksichtigt. So geht die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in ihren Broschüren ausführlich auf nationale Eigenschaften eines Lebenslaufes ein, anstatt nur auf das Standardformular zu verweisen. Ähnlich zurückhaltend ist auch die Reaktion bei Internet-Stellenmärkten, die weiterhin überwiegend auf landesspezifische Bewerbungsformulare setzen. "Wenn sich der EU-Lebenslauf aber als Standard durchsetzen sollte, werden wir auch unser Online-Formular anpassen", sagt Silke Esser, Sprecherin von Jobware. Bewerber sollten sich auch weiterhin über die Landes- und branchenüblichen Formalitäten bei einer Bewerbung informieren. Zudem sollte man die Landessprache und die Eigenheiten eines möglichen Arbeitsortes kennen, um sich einem Arbeitgeber auch ohne internationales Standardformular vorteilhaft präsentieren zu können.

Autor: Svenja Hofert

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